19.03.2007

Study trip to Lappland

Montag

Am Montag, den 19.3.07, brechen wir um 8:00 Uhr vor der Uni mit einem grossen Reisebus auf. Wolfgang und ich haben neben dem Gepäck fuer eine Wandertour im Anschluss dabei. Mit dem Bus fahren wir etwa 3 Stunden bis Rovaniemi, hier essen wir in der Mensa der Uni (ein guter Tipp, wenn man untterwegs und im Besitz eines finnischen Studentenausweises ist). Danach fuehrt uns unser Programm in das Santa Claus Village, eine beispiellose Kommerzialisierung des Weihnachtsbrauches - mich widert das ganze eigentlich nur an. Fuer ein Foto mit dem Weihnachtsmann muss man 23 Euro zahlen, und ein stranger Typ ist er noch dazu...
Spannender ist fuer mich dann schon eher, das der Polarkreis durch das Dorf verläuft, bis auf die Lofoten bin ich nun das erste Mal soweit nördlich.

Von Rovaniemi geht es weiter Richtung Norden bis nach Sodänkyla. Dort sehen wir uns das meteorologische Institut FMI an. Hier wird vor allem dir magnetische Aktivität der Stratosphäre untersucht, dazu gibt es einen Haufen Messgeräte, deren Besichtigung ziemlich interessant ist, genauso wie die 32 m hohe Satellitenschuessel, die angeblich so genau misst, dass sie sogar den amerikanischen Stealthbomber sieht.

Nach Sodänkyla fahren wir wieder weiter in den Norden bis nach Inari, jetzt sind wir schon bald mehr als 500 km nördlich von Oulu. Man merkt, dass es hier kälter ist, und auch noch mehr Schnee liegt, die Strassen vereist sind. In einem kleinen Feriendorf nahe Inari bezieht unsere Gruppe zwei wunderschöne Cottages, direkt nebenan ein Sauna mit Seebadestelle. Nachdem wir uns eingerichtet haben, geht es sogleich in die Sauna, nach dem 3. Gang wagen wir es sogar in einem Icehole zu baden - es ist gar nicht so kalt im Wasser, der Schnee draussen ist ärger auf der Haut, wenn man sich darin rollt... Abends fangen wir dann noch an einige Spiele zu spielen, was schliesslich in einer Saufspielversion von Solo gipfelt... Ähäm... Morgens klingt mir noch immer Petras lachen im kopf, die den ganzen Abend nur gewonnen und uns beim Trinken zugesehen hat ... Und Wolfis Rapp beim Gruppenzaehneputzen im Badezimmer... Das kann man nicht beschreiben, wer nicht dabei war hat einfach was versaeumt...

Im Santa-Village... da gehts nach Hause...

Teure Fotos mit dem Weihnachtsmann, wer braucht sowas schon...?

Anschauen umsonst, Foto 23 €... Pure Kommerzialisierung, außerdem liefert sich Finnland mit Norwegen einen Wetstreit um die Heimat des Weihnachtsmannes...

Souvenirshops gibt es hier viel zu viele...

In diesem Haus lebt der Weihnachtsmann ;-)

Polarkreis...

Messanlagen in Sodänkylä...

die 32m hohe Empfangsanlage...

Richtung Norden durch Lappland auf einer "finnischen Kurve"... (=Gerade)

Abends im gemütlichen Cottage... Benjamin, Nadine und Magda

Jammi Jammi... Lind und Barbara (CH) lassen es sich schmecken...

Stefanie (Alaska, USA)...

SOLO - etwas alkoholisierte Spielvariante...

... wie man sieht ;-)

Huch...

Öhhh... also... ähhh - Naja eben schon!

fortgeschrittenes Stadium ...

Am Morgen muss aufgeräumt werden... Spülen, saugen, Kamin säubern, Betten aufschütteln...



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Dienstag

Den Vormittag verbringen wir auf einer Rentierfarm, sehr schön. Wir fuettern zuerst die Rentiere aus der Hand, dann geht es auf einen kurze runde Rentierschlittenfahrt. Das wuerde ich gerne mal in der Wildnis ausprobieren. In einer Lapp-Kota wärmen wir uns anschlie+end mit Tee aus Kuksa-Holztassen und Kuchen wieder auf. Ausserdem lauschen wir einigen Liedern von lappischem Folklore vergangener Zeiten. Den Abschluss bildet ein Versuch Lasso zu werfen wie die lappischen Rentierzuechter, die im Fruehling die Kaelber einfangen und mit Brandzeichen markieren muessen und ein Besuch im Souvenirshop - ich lasse mich zum Kauf eines Rentierfelles hinreissen.

Nach der Rentierfarm haben wir in Inari ziemlich lange Freizeit, die ich zusammen mit Magda durchs Dorf laufend verbringe. Ausserdem machen wir einen kleinen Spaziergang auf dem gefrorenen Inarisee und bis zum Siida Museum. Im Museum, das wirklich sehr gut gestaltet ist, bekommen wir eine erstklassige Fuehrung und lernen eine Menge ueber die Samen und ihre Lebensart, ueber die lappische Natur und ueber die Tiere im hohen Norden. Das Museum ist wirklich sehr empfehlenswert!

Relativ frueh fahren wir dann zum Nachtquartier, einem Holzfaellerhaus ohne Strom und Wasser mitten im Wald, ganz einssam am Ende einer 15 km langen Stichstrasse gelegen. Vor uns auf der Strasse läuft eine Rentierherde, die sich Stueck fuer Stueck in den Wald fluechtet. Unterwegs zieht unser Busfahrer noch einen Benz-Sprinter aus dem Graben, der offensichtlich durch das Eis auf der Strasse die Kontrolle verloren hat. Wir muessen Holz hacken und ein Eisloch im See schaffen um Trinkwasser zu haben. Zuerst bohren Benni und ich durch das Eis, das geht eigentlich ziemlich gut mit dem entsprechend gigantischen Bohrer. Man muss ihn nur schneel rausziehen, wenn man fertig ist, sonst friert er im Loch fest... Als ich das Loch dann mit einer speziellen 10 kg schweren Picke erweitern will, stosse ich recht fest hinab und schwupps saust das Teil ion den Seegrund... Hmmm. Folge: Ich muss das Loch unterwasser mit der Axt erweitern, bis ein Eimer reinpasst... Bei 0 Grad eine ziemlich kalte und nasse Angelegenheit... Ich hole mir leichte Erfrierungen am Finger aber trotzdem war es eine Gaudi...

Am Abend bekommen wir noch eine Vorlesung eines Ehepaares von der Gegend um Inari, sie erzaehlen uns ueber ihr Leben und ihren Job, der sich vor allem um die Weiterverarbeitung von Rentieren dreht. Aslak, unser Dozent ist schon wieder so betrunken, dass er die ganze Zeit wirre Unterbrechungen macht... peinlich peinlich. Er hat schon tagsueber im Bus getrunken und auch abends in der Huette. Später schläft er laut schnarchend in Klamotten und Schuhen am Bett... Ich ziehe in die Kueche auf den Boden um... Thermarest und Schlafsack sei dank!

Uebrigens habe ich heute getrocknetes Rentierfleisch gekauft. Dieses Fleisch wird roh fuer mehrere Monate aussen am Haus in speziellen Gestellen getrocknet und ziemlich teuer verkauft. Aber einmal sollte man es schon probieren, es schmeckt eigentlich aehnlich wie Suedtiroler Speck, kaut sich etwas zaeher und eignet sich hervorragend alös kleine Energieration fuer zwischendurch, man schneidet sich einfach immer wieder mal eine Scheibe ab.

Abfahrt vom Cottage... Es ist relativ warm...

Der Fluss, in dem wir gestern nach der Sauna gebadet haben...

Unser Cottage - wundervoll gemütlich!

Und die Sauna, links unten ice-hole zum abfrischen am Flussufer...

Auf der Rentierfarm bei INARI, ein wärmendes Feuer... Im Hintergrund warten schon die Schlitten auf uns...

Schlittenfahrt...

Kaffee einschenken in dunkler kota mal anders...

Kaffee, Tee, Kuchen - jamm... dazu traditionelle Sami Volkslieder mit Trommel...

Lasso werfen - eine erste Übung für uns. Die Sami haben früher so ihre Kälber gefangen, um sie mit Brandzeichen zu markieren - natürlich mitten in einer rennenden Herde, da ist unser stationäres Ziel immer noch schwer genug...

TOURIST :-) Ich habe die Mütze nicht gekauft... aber ein Fell ;-)

Utsjoki ist Finnlands nördlichste Stadt...

Ortszentrum von Inari, gelegen am gleichnamigen See, der mit 40 auf 80 km und 3000 Inseln eine imposante Größe aufweisen kann...

Pannenhilfe durch unseren Bus...

Rentiere auf der Stichstrasse zur Holzfällerhütte...

Bohren des Eisloches...noch ist die Pikke über dem Eis...

Wasser schöpfen...

Sonnenuntergang über dem nahen See...



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Mittwoch

Nach einem nicht allzu spektakulären Sonnenaufgang (wir sind extra frueh aufgestanden - aber immerhin sehen wir ein einsames Rentier ueber den See trotten), brechen wir auf. Wie schon gestern Abend ist es fuer unseren Busfahrer ziemlich spannend, die kleine Strasse mit dem grossen Reisbus zu befahren. Aber es klappt gleucklicherweise ohne Zwischenfaelle. Wenn der Bus hier haengen bliebe...

Durch endlose bewaldete Huegellandschaft fahren wir an die norwegische Grenze, hier bietet sich die letzte Moeglichkeit nochmal "billiges" finnisches Essen einzukaufen, denn Norwegen ist horrend teuer, etwa 3 mal so teuer wie bei uns, wenn nicht noch mehr. Die weite der Landschaft in Nordfinnland ist wirklich beeindruckend, aber der plötzliche Wechsel zu schroffem Bergland an der norwegischen Grenze ist ebenfalls sehr spannend!

Jenseits der Grenze besuchen wir die Messerschmeide Strömeng und eine Sami-Kunstgallerie. Leider sind mir die wundervoll gearbeiteten Messer der Messerschmiede mit knapp 90 Euro zu teuer, ausserdem wuerde ich zum Wandern sowieso nur mein Schweizermesser mitnehmen, da es kleiner und praktischer ist.

Die Kunstgalerie ist teilweise beeindruckend, beispielsweise ein sehr modern und dennoch wundervoll detailliert gearbeitetes Messer, und teilweise ein bisschen seltsam, da einem die Exponate zu modern angehaucht sind...

Nach dem Besuch der beiden Orte geht es dann in endloser Fahrt bis nach Alta. Alta und ein ganzer Teil der Fahrtstrecke liegen am arktischen Meer. Zum ersten Mal bin ich nun in meinem Leben am Nordmeer, die Fjordlandschaft, die Berge jenseits der weiten Buchten sind beeindruckend, hier möchte ich auf jeden Fall nochmal hin. Den Höhepunkt bildet ein Badestop, ich bade mangels Dusche aber nicht... Ebenfalls sehr beeindruckend ist es, den Sonnenuntergang ueber dem Polarmeer zu beobachten, ueber den Bergen an den Ufern der Fjorde.

In der Nähe der Stelle, wo Wolfi, Benni und ein paar weitere Verwegene sich ins Meer stuerzen, gibt es eines der gigantisch grossen traditionellen Fischtrockengestelle aus Holz, dahinter idyllisch gelegen eine Kirche mit umgebender Ortschaft am Ufer einer Nordmeerbucht - perfektes Motiv fuer dutzende von Fotos...

In Alta, der Stadt der Nordlichter, sind wir in kleinen Cottages am Campingplatz untergebracht. Es ist schon wahnsinn, was uns dieser Trip fuer 50 Euro alles bietet... Unterkunft, Fahrten, Eintrittsgebuehren - einfach alles, bis auf die Essen. Gemeinsam mit Lind, Barbara (CH), Magda und Hänne (unserer Betreuerin) machen wir es uns gemuetlich, bevor es dann auch schon zu einem Dinner im Finnmarkcollege geht, der nördlichsten Hochschule Europas. Der Abend ist sehr schön, ich treffe sogar ein paar Deutsche dort, zb Sandra aus Wuerzburg. Leider vergessen wir Adressen auszutauschen.


Morgens beim Sonnenaufgang ein einsames Rentier... schöner gehts nicht!

Unsere Hütte... links hinten die Rauchsauna...

Frühstück...

Die Hüttenküche... wegen schnarchender Zimmergenoosen verbringe ich die Nacht hier auf meiner Isomatte, sehr angenehm!

Zähneputzen am Eisloch... Und immer schön ins Trinkwasser spucken!

Finnische Kurve in Nordlappland...

Eine heiße Quelle speist diesen Bach, der nie zufriert... ca. 6 Grad Wassertemperatur...

Besuch in der norwegischen Messerschmiede Strömeng... Wolfi kauft sich ein Messer wie abgebildet, Preis etwa 90 Euro...

Besuch des Sami Parlamentes... ein eindrucksvoll moderner Holzbau...

Abends Weiterfahrt nach Alta, an der Küste des Nordmeeres entlang - für fast alle von uns ist der Rekord an nördlicher Breite, soweit oben waren wir noch nie zuvor... Der arktische Ozean ist beeindruckend, wir sehen sogar Seehunde vom Bus aus.

Badestop... Benni und Wolfi wagen es...

idylllischer Blick entlang der Küste, im Vordergrund ein Trockengestell für Fisch...

Magda und Rudolf (Ersatzgamma)...

Arktisches Meer... endlose Blicke, toller Sonnenuntergang...

Abends sind wir von dem Exchange Student Network des Finnmark Colleges in Alta eingeladen zum Dinner... Ich lerne ein paar Deutsche kennen, zb Sandra aus Würzburg...





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Donnerstag

Heute steht die Rueckfahrt nach Finnland auf dem Programm. Zuerst hoeren wir uns im Finnmarkcollege aber eine Vorlesung ueber die Minderheit der Kwen an. Mitten in der Vorlesung muessen wir ploetzlich das Gebaeude verlassen, da der Feueralarm getestet wird. Als die Vorlesung weiter geht, bringt unser Dozent Aslak, der schon wieder total besoffen ist, den Hammer... er schneidet sich mitten in der Vorlesung die Fingernägel...

Von Alta aus geht es dann mit dem Bus durch eine langgezogene Schlucht Richtung Sueden, das Polarmeer lassen wir hinter uns liegen (natuerlich erst nach einem kurzen Besuch am Strand mit Blick auf eine Eisbrecherfaehre und die Bucht von Alta). Unser nächster Halt ist Kautakeino, wo wir uns das Haus der Silberschmiede Jyhls (ein dänisch-deutsches Immigrantenpaar) anschauen. Es ist eine grosse Villa, die mit allerlei Kunst aus allen Teilen der Welt gefuellt ist, es wird aber auch noch Silberschmuck hergestellt.

Der zweite Halt in Kautakeino ist das Sami Research Institut, die Presentation dort entpuppt sich aber als sehr schlecht vorbereitet und uninteressant, manche Leute hier oben sind schon seltsam - obwohl sie ueber unseren Besuch seit langem informiert sind, ist es ihnen egal, dass sie ein miesen Eindruck hinterlassen, noch dazu bei internationalen Studenten. Zum teil könnte man den Eindruck erhalten, dass der finnische Staat die Samiaktivitäten nur finanziert, um die Sami ruhigzustellen und Konflikte zu vermeiden, so eine Art Pseudomitspracherecht... Naja, hoffentlich irre ich mich da :-)

Weiter geht die Fahrt dann nach Hetta in Nordwestfinnland (auch Enontekiö genannt). Hier sind wir in einem Gästehaus mit Bed and Breakfast untergebracht, in dem man Abends selber kochen kann. Nachdem Benni, Wolfi und ích ausgiebig die Sauna genossen haben, geht es in die Kueche zum obligatorischen Pastaessen. Ich gehe frueh ins Bett, um Morgen fit fuer die Wanderung zu sein - nicht ohne vorher meinen Rucksack umzupacken, es kommt ganz schön was zusammen fuer die kommende 4 Tage Fussmarsch bis Pallas.


Unser Übernachtungsquartier auf dem Campingplatz am Altariver. Sehr schön...

Das Finnmarkcollege...

Am Hafen von Alta... viele Schiffe fahren hier nicht... Aber sehr stimmungsvoll... die bunten Holzhäuser, die Berge, das Eismeer...

Auf der Weiterfahrt von Alta Richtung Süden gehts vorbei an gigantischen Eisfällen durch eine Schlucht...

bevor sich das Gelände wieder weitet und flacher wird... Die endlose Weite Nordfinnlands empfängt sobald wir die Grenze von Norwegen wieder überschritten haben...

Abendessen...? Sowas liegt hier im Kühlregal...

Statue im Sami Research Institut... der Rest war mehr als langweilig hier... schlechter Vortrag...

Das Haus der Silberschmiede Jyhls in Kautakeino...


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Freitag

Nach einem ausgiebigen Inklusivfruehstuecksbuffet fahren wir mit der restlichen gruppe ins Nationalparkinfozentrum des Pallas-Tunturi-Parks, der sich suedlich von Hetta etwa 80 km bis Ollos zieht. Eine Diashow mit exzellenten Bildern stimmt Wolfi und mich auf die kommende Strecke ein und ich bin schon ganz heiss drauf endlich los zu laufen. So starten wir auch gleich, nachdem der Film aufhört, vorher noch schnell eine Karte gekauft und Geld von Benjamin geborgt (DANKE!!!), das Essen haben wir schon gestern besorgt.


>>> Siehe Post zur Wanderung....

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