10.04.2007

HALTI - the HIGHEST mountain of Finland

Schon seit einigen Wochen planen wir an diesem Vorhaben. Bille, Paul, Marko und ich wollen den Halti, den höchsten Berg Finnlands besteigen. Dazu müssen wir annährend 600 km von Oulu bis in das äusserste Ende von Finnland fahren, in den kleinen und peripheren Ort Kilpisjärvi. Von Kilpisjärvi aus sind es dann 110 km bis zum Gipfel und zurück, unterwegs wollen wir in Open Wilderness Huts übernachten. Eine Karte haben wir uns auch schon gekauft, für sündhaft teure 18 Euro, außerdem 15 kg Powerbars für die Mittagspause...

Ja unser Speiseplan ist überhaupt interessant... 6kg Spagetti und Trockensaucen von Knorr, 1,5 kg Gas zum Kochen, für jeden pro Tag 7 Powerbars, morgens Frühstück nach eigenem Gusto, ich habe Müsli und Milchpulver dabei (empfehlenswert: mit Protein-Vanille-Pulver von Powerbar mischen, das wertet den Geschmack erheblich auf, dazu noch ein Viertel-Apfel reingeschnitten > perfekt!!!). Müsli habe ich übrigens 1,7 kg dabei, von denen ich auch 1,5 verbraucht habe in 4 Tagen...

Ansonsten im Gepäck sind jede Menge warme Anziehsachen, ein dicker Schlafsack, der Gaskocher und die Thermarest-Matte, Karte und Kompass und einige andere Ausrüstungsgegenstände... Ich sage nur Fork statt Spork ;) UND: VORAUSSETZUNG: Kenntnisse in Navigation mit Karte und Kompass (Einschneiden, etc...).

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Tag 1 - Donnerstag | -4 Grad, Sonne/ bewölkt

Am Donnerstag fahren wir um fünf Uhr morgens von Oulu aus über Kemi, Tornio und Munio bis nach Kilpisjärvi. Entgegen unserer Erwartungen erreichen wir Kilpisjärvi schon gegen 12:15 Uhr. Unterwegs gehen wir einmal eine Pulla essen und trinken einen Kaffee dazu. Am Parkplatz beim Luontotalo (= Infozentrum) angekommen, entscheide ich mich spontanerweise dazu, die Schneeschuhe gegen die Tourenski einzutauschen - eine fatale Entscheidung für meine Füße... Wir informieren uns im Infozentrum noch zu den Hütten und zum Weg, der anscheinend durchgehend mit Birkenzweigen markiert ist und ein Schneemobil soll auch schon bis auf den Haltigipfel gespurt haben - mal sehen was uns da erwartet.

Das Infozentrum am Beginn des Weges...

Blick zurück auf den See bei Kilpisjärvi...

Blick unterwegs, am Beginn der Tour, nach Norden zum Saana... dem heiligen Berg der Samen...

Zunächst sanft bergan und dann über den Saanajärvi laufend folgen wir irrtümlicherweise der Spur für die Schneemobile, da diese mit den selben Kreuzen markiert ist, die in den bisher besuchten Nationalparks für Langlaufloipen verwendet wurden. Als wir unseren Irrtum bemerken, folgen wir der Kompassrichtung Richtung Nord-Nord-Ost und erreichen nach einer halben Stunde wieder den echten Winterweg. Inzwischen sind die Sichtverhältnisse schlechter geworden, der Wind weht uns entgegen, konstant und stark. Über den großen Saarijärvi folgen wir den Zweigen bis zur Hütte. Wir sind uns nicht sicher über die Tragfähigkeit des Eises (obwohl es eigentlich fest sein sollte) und laufen mit Abstand. Die Hütte rückt schon recht bald in unser Sichtfeld, aber der Weg bis dorthin zieht sich letztendlich doch noch ganz schön. Das Laufen mit den Skiern und Steigfellen ist vom Tempo her ähnlich zu Schneeschuhen, es strengt aber mehr an auf dem festgetretenen Schneemobilpfad. Lediglich im Tiefschnee bin ich schneller. Optimal ist bei diesen flachen Wanderungen allerdings eine Pulka (Wanne mit Zuggestell und Kufen) und Crosscountryski (etwa so wie Langlaufski mit Schuppen aber breiter und stabiler mit wärmeren Schuhen).

Sonnenuntergang abends an der Hütte, etwa 21 Uhr...

Die Hütte ist ziemlich voll, drei finnische Jungs, die nach uns kommen, schlafen im Vorraum. Anwesend ist außer uns noch ein deutsches Pärchen und 2 Finninen aus Poori. Wir kochen unsere Spaghetti, von denen die 2. Portion beim Abgießen im Schnee landet - zum Glück gibt es nur schweigsame Zeugen... und der Topf ist geduldig. Mit vollem Magen legen wir uns dann auch schon bald schlafen. Unser Wasser besorgen wir übrigens von einem Loch 15m rechts von der nahen Brücke. Man kann sich aber nur mit Skiern nähern, da man sonst einbrechen würde. Das Eis sackt so schon flächenweise etwas ein, als ich die Eimer fülle. Den Holzschuppen müssen Marko und Paul zuerst mal freu schaufeln, da die Tür meterhoch mit Schnee eingeweht ist. Der Sonnenuntergang um 21:00 Uhr ist wunderschön, gerade vor der Tür mit den Pulkas der anderen Leute vor den sonnigen Bergen ein Superpanorama.


Während des ersten Tages, in der Nähe vom Saana.


Schneeformationen an einem Windkolk bei der Hütte Saarijärvi...


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TAG 2 - Freitag | -5 Grad, Sturm, Schneefall, Sonne

Am nächsten Morgen sind die Sichtverhältnisse viel schlechter, es schneit und stürmt - relativ ekliges Wetter. Der Wind führt außerdem viel Schnee mit sich. Dick vermummt unter Schals oder Sturmhaube und Kapuze stehen wir vor der Hütte und schnallen Ski / Schneeschuhe an. Etwas verunsichert folgen wir dann den Birkenstöcken über einen Ausläufer des Saarijärvi nach Osten, der Sommerweg läuft viel nördlicher in Richtung der nächsten Hütte. Glücklicherweise macht der Weg aber nach einigen Kilometern einen Knick nach Norden und führt uns über einen Pass zur Kuonjarjoki-Hütte - ein paradiesischer Ausgangspunkt zum Freeriden mit Tourenskiern. Nach einer Mittagspause mit - brrr - Powerbars laufen wir das lange Teilstück bis zur Meekonjärvi-Hütte. Das Wetter klart auf den letzten Kilometern zunehmend auf, der Wind bleibt dagegen. Auf den letzten Kilometern vor unserem heutigen Tagesziel wird die Landschaft zunehmend felsiger und die Berge höher, gewaltige Felsklippen und abbrechende Felshänge säumen das Tal, in dem wir Richtung Halti laufen.

Die Landschaft wird weniger flach und felsiger...

Bereits um 14 Uhr erreichen wir die Hütte. Glücklicherweise gehen die anderen Anwesenden weiter und es gibt Schlafplätze für uns. Kurz nach uns kommen noch zwei Pfadfinder aus Oulu mit Hund. Sie haben Telemarkski und Steigfelle - wir gehen am Nachmittag nach eine Runde Skifahren an dem Berg westlich von der Hütte. Der Hangrücken zur Hütte aber auch der Rücken etwas weiter westlich (selber Aufstieg !!! Achtung Lawinengefahr!!!) entpuppen sich als lohnende Abfahrten, so dass ich gleich viermal aufsteige und wieder abfahre - glücklich meine Kurven in den perfekten Tiefschnee ziehend...

Die Hütte Meekonjärvi...

Recht hungrig verputzen wir dann unser tägliches Kilo Spaghetti mit Sauce und fallen dann auch schon bald ins Bett... Übrigens gibt es auch auf dieser Hütte wieder einen festinstallierten Gaskocher und Brennholz in Massen.

Schneesturm am nächsten Tag...

Die Sichtverhältnisse werden schlechter und schlechter, der Wind immer stärker...

Schneeschuhe und Tourenskier... für Wintertreckings in Lappland gibt es bessere Fortbewgeungsmethoden...

Extreme Weite, helle Sonne, Wind... Das ist Lapland...

weite Hochebenen stellen Ansprüche an die Motivation... Laufen, laufen, laufen...


In Meekonjärvi... Bille...

Dr. Paul Rees ;)...

Marko im Eigenportrait...

und ich... wie immer im Biketrikot...


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TAG 3 - Samstag | -11 bis 1 Grad + Windchill ;(, Sturm, Schneefall

Als wir heute an der Hütte loslaufen, ist es sonnig, der Wind eher schwach. Aber scheinbar waren wir zu optimistisch, denn der auffrischende Wind (Sturm) und einsetzender Schneefall zwingen uns recht bald, mehr anzuziehen. Der Sturm ist ziemlich anstrengend, er macht einen beim Gehen langsamer. Meine Brille eist teilweise von innen ein, so dass ich nichts mehr sehen kann und nur noch Paul hinterherlaufe, der hier mit Skibrille klar im Vorteil ist! Von Stock zu Stock tasten wir uns vorwärts, sehnsüchtig auf die nächste Hütte wartend. Nach der Überquerung des großen Pihtsus-Sees gelangen wir bei der Pihtsusjärvi-Hütte an, etwa 12 km haben wir heute schon im Schneesturm zurück gelegt. Wir kochen neuen Tee und füllen unsere Thermoskannen wieder auf, essen Riegel und unterhalten uns mit den Franzosen, die wir schon gestern getroffen haben. Auch sie wollen zum Halti. Sie starten etwas vor uns und als wir aufbrechen für die nächste Etappe, kommen sie gerade zurück - sie haben wegen des Sturmes umgedreht.

Über flach ansteigende Schneefelder kämpfen wir uns gegen den Wind bergan. Die Brille eist immer wieder total ein, es fällt schwer die Stangen zu sehen. Diese sechs Kilometer bis zur nächsten Hütte, der Halti-Hütte am Fuße des Berges, bekommen wir nicht geschenkt. Als dann noch eine große Gruppe mit Pulkas vor uns auftaucht, befürchte ich schon, dass sie dieselbe Hütte zum Ziel haben - aber glücklicherweise haben sie die Varaustupa gebucht, den reservierungspflichtigen Teil der Haltihütte. Der Wind und die schlechten Sichtverhältnisse werden bis zur Hütte immer ärger, ohne die Birkenzweige wäre hier ein GPS vonnöten, ohne wäre es gefährlich. Man sieht rein gar nichts im dichten Sturm.

An der Halti-Hütte angelangt packen wir unsere Rucksäcke für den Gipfel um/aus und ruhen uns noch kurze Zeit aus. Wenig später kommen die drei finnischen Jungs von der Saarijärvihütte an, sie waren gerade in 3 Stunden am Gipfel und sagen, dass oben wirklich sehr starker Wind sei, eine Besteigung sei heute kein Kinderspiel, der Gipfel im Sturm kaum zu finden. Wir entschließen uns, es heute trotzdem noch zu versuchen und laufen los, zuück bis kurz vor die Abzweigung Richtung Gipfel. Bei diesem Wetter kann man hier ohne Geländekenntnisse und GPS nicht ohne die Markierung laufen, zumindest erscheint uns das nicht ratsam, solange man auf die Stöcke zurückgreifen kann.

In flottem Tempo laufen wir Richtung Gipfel, man sinkt bei Gehen teilweise 15 cm im angewehten Neuschnee ein. Für Bille ist das Tempo sehr schnell, aber wir haben kaum eine Wahl, den unser Zeitfenster bis zur Dunkelheit ist nicht lang genug. Gezwungenermaßen drehen wir deshalb um 20:00 Uhr um - wir können es uns nicht leisten in die Dunkelheit zu kommen, nicht bei diesen Sichtverhältnissen. Noch immer weht heftiger Wind und es schneit - die Sicht ist beschissen. Als wir umdrehen, demontiere ich meine Steigfelle, um abfahren zu können und die anderen laufen schonmal voraus. Als ich starten will, stelle ich fest, dass der Schneesturm gerade so dicht ist, dass man nicht mal die nächste Stange des Weges sieht - mich packt kurzzeitig die Panik und ich fahre auf gut Glück einfach bergab und mache kurze Zeit später Billes Jacke im Schneegestöber aus - eine ziemliche Erleichterung durchfährt mich... Die Abfahrt ist so flach, dass ich nur runterrutschen kann, Kurven mangels Geschwindigkeit nicht möglich.

Müde aber problemlos erreichen wir um 21:00 Uhr die Hütte, die Dämmerung setzt bereits ein. Unsere Entscheidung war auf jeden Fall richtig. Wir sind alle ziemlich müde, besonders Bille geht es nicht so gut, da sie die letzten Tage schon erkältet war und gehustet hat. Ich mache mir Sorgen wegen des weiten Rückweges - hoffentlich bessert sich das Wetter wieder, denn so ist das alles ziemlich anstrengend. Gleichzeitig habe ich fest vor, den Gipfel morgen früh nochmal zu probieren - soweit zu laufen und dann nicht hochzukommen wäre gar nicht nach meinem Geschmack.

Unsere Nachbarn aus dem reservierungspflichtigen Teil schenken uns abends noch einen ganzen Topf Reis und Kartoffeln - so wie wir uns freuen, denken sie, wir hungern schon seit Tagen und bieten uns mehr Essen an... ;) Aber es ist einfach so eine schöne Abwechslung zu der langweiligen Pastaaussicht...


Kurz nach dem Aufbruch in Mekonjärvi...

Durch ein interessantes Tal geht es Richtung Norden zum Halti...

Das Wetter bleibt schlecht... selbst beim Aufstieg zum Halti am Abend... dick eingemummt - ich bin froh über meine Windstopper-Sturmhaube und die passgenaue Kapuze an meiner Mammutjacke...


Bille - zurück vom vergeblichen Gipfelversuch am Samstag...

Ich... ich sehe kaum durch die Brille, so dick ist sie innen vereist. Und meine Wimpern sind voller Eisklumpen...

Paul... am dicksten vermummt...

und der Fotograph der meisten Bilder hier... Marko...


Irgendwo im Schneesturm auf dem Weg zur Haltihütte ... Bille und Daniel

Die Haltihütte am nächsten Tag - wer kann sich da noch so ein schlechtes Wetter, wie es gestern war, vorstellen...


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TAG 4 - Sonntag | morgens -15 Grad, tagsüber um 0 Grad, Sonne, Wind

Nach einem großen Müsli starten Marko, Paul und ich frühmorgens zu einem zweiten Versuch, Bille geht es nicht gut genug, sie hustet ziemlich arg, schon in der Nacht hat mir das Sorgen gemacht. In zügigem Tempo und bei guten Sichtverhältnissen, Sonnensschein und nur ein paar Wolken, laufen wir dem Gipfel entgegen. Da wir die Stangen auf den Berg hochziehen sehen, können wir sogar direkt von der Hütte zum Weg abkürzen - nicht ohne vorher die Rückmarschrichtung zur Hütte am Kompass festzuhalten, für den Fall, dass die Sicht schlechter wird. Das Wetter ist heute viel besser, zwar weht immer noch der für Lapland scheinbar obligatorische Wind, aber wenigstens schneit es nicht, sondern der Himmel ist blau und die Sonne scheint. Nur am Halti-Gipfel hängt eine Wolke und eine gewaltige Schneefahne. Gestern sind wir wohl nicht so weit gekommen, stellen wir fest, denn der Weg zieht sich dann doch noch recht weit über die sanften Anhöhen hinauf auf 1328 m.

In dichtem Schneesturm erreichen wir schließlich das Ende des mit Birkenstöcken markierten Weges, zugleich der höchste Punkt von Finnland. Wir laufen weiter in Richtung des norwegischen Gipfels und markieren unseren Weiterweg mit unseren eigenen Stöcken. Hier oben könnte man sich leicht verirren... Glücklicherweise finden wir schließlich sogar den Steinhaufen, der den norwegischen Gipfel markiert. Zufrieden blicken wir unter unseren vermummten Gesichtern in die Kamera - für das Gipfelfoto...

Der Abstieg fällt uns leichter, da das Wetter aufreisst und selbst am Gipfel die Sichtverhältnisse besser werden. Meine Brille habe ich heute auch nicht auf, ohne sieht man besser. Der Preis sind eingefrorene Wimpern und Augenbrauen, voller Eis. Während die anderen mit Schneeschuhen absteigen, sause ich mit Skiern rutschend bergab, teilweise muss ich aber schieben, da dieser Berg einfach so flach ist... An der Hütte angekommen mache ich schonmal unsere Portion Pasta, die von gestern über ist. Kaum sind die anderen da, essen wir erstmal und dann packen wir und laufen los. Bille geht es nicht so gut, ihre Erkältung hat sich zwar nicht gravierend verschlechtert, dennoch ihr Husten klingt nicht so gut. Und heute haben wir ja noch einiges vor, mindestens bis Meekonjärvi sollten wir schon kommen.

Zunächst bergab und bei wunderschönem Wetter erreichen wir recht bald die Hütte Pihtsusjärvi. Wiedermal füllen wie die Kannen auf und laufen dann weiter - vergesse fast meine Funktionsunterhose in der Hütte - Richtung Süden. Nach dem Pihtsusjärvi machen Bille und ich noch einen Abstecher zum Canyon des weiterführenden Flusses mit einem imposanten gefrorenen Wasserfall - kommt auf dem Foto aber gar nicht so gut raus... Die Schlucht wirkt umso imposanter, da die Landschaft hier so flach und hüglig ist. Tief in Felsen eingegraben hat sich der Fluss seinen Weg zum nächsten See gebahnt.

Kurze Zeit später erreichen wir wieder den Winterweg und folgen ihm bis zur Hütte Meekonjärvi. Während die anderen auf dem Weg bis zur Hütte laufen, ziehe ich bei der Vuomahütte Richtung Westen, überquere die Schlucht des Flusses und laufe auf eine nahe Hangschulter hinauf, das ganze im Eiltempo, weil ich nicht will, dass die anderen bei der Hütte lange auf mich warten müssen. Oben bemerke ich, dass ich noch etwa 200 HM weiter aufsteigen muss, um den Berg direkt bei der Hütte von hinten umgehen zu können, denn vorne hinunter kommt man wegen tiefer Abbrüche nicht. Also nehme ich gleich noch einen anderen Gipfel und eine lange Tiefschneeabfahrt nach Westen mit, steige aus einem tiefen Tal nochmal 400 HM auf und fahre dann fast bis vor die Hütte ab - ein Traum bei diesem Superpulverschnee!!!

Trotz meines Abstechers von fast 800 Höhenmetern erreiche ich die Hütte vor den anderen... Mir schwant Übles, als ich die vielen Pulkas vor der Hütte sehen und meine Fragen zeigen, dass ich recht habe - es ist wohl kein Platz für uns hier. Die Leute auf dieser Hütte sind überdies total unfreundlich, seltsam. Erst denke ich, dass die anderen drei schon durch sind und meine Nachfragen bei den Anwesenden werden nur zäh und unwillig beantwortet - untypisch für die Finnen, die ich bisher so getroffen habe. Vielleicht liegt es dran, dass dies hier eine Pfadfindergruppe ist? Als ich es gar wage meine Ski in den Vorraum zu stellen, um die Felle aufzuziehen (geht viel besser, wenn das Wachs und der Fellkleber warm ist), werde ich noch geschimpft... ;) Das kümmert mich aber nicht allzu sehr...

Als dann Marko, Paul und Bille eintreffen, laufen wir notgedrungen bis zur nächsten Hütte weiter. Diese 12 km am späten Nachmittag ziehen sich wirklich endlos, nicht zuletzt auch wegen meiner Blasen übersähten Füße, zum Teil haben sich die Schrammen an meinem Schienenbein unter dem Tape schon entzündet und eitern... Ich freue mich eigentlich nur noch drauf, die Schuhe loszuwerden... Meine Kondition ist noch sehr gut, aber die Füße drücken wirklich auf die Laune... und Bille hat Knieprobleme, sie kommt mit Ibuprofen zu Rande, Marko tut sein Fuß weh, ohne Schneeschuh ist es geringfügig besser.

Über eine ewige Hochebene laufen wir entgegen dem heftigen Wind bei Sonnenuntergang bis zur Kuonjarjoki-Hütte - der Weg zieht sich endlos, man hat das Gefühl gar nicht weiter zu kommen. Es sieht toll aus, wie der Wind den Triebschnee dicht über dem Boden entlang fegt, es sieht beinahe so aus, als ob sich der Boden bewegt... Dazu dann noch der idyllische Sonnenuntergang und die markanten Berge im Norden des Weges - perfekt! In der Hütte hat es zum Glück noch Platz, wir kommen gegen 20:40 an, kochen rasch und gehen bald ins Bett. Ich schlafe wie ein Stein bis morgens durch, nach 42 km Weg und 1200 HM auch kein Wunder...


Nach dem Aufbruch von der Halti-Hütte...

Gipfelfoto mit der Kamera in der ausgestreckten Hand...

Rückweg vom Halto Richtung Hütte...

perfekte Skiberge im Westen des Weges, etwa 4 km südlich von der Haltihütte...

Die weite Hochebene vor der Übernachtungshütte am Sonntag...

Laufen, laufen, laufen... der Skischuh nervt...

wunderschöner Sonnenuntergang bei der Kuonjarjoki-Hütte



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Tag 5 - Montag | 4 Grad, weniger Wind, Sonne

Heute ist eigentlich erst der 4. Tag unserer Tour, da der heutige und der erste Tag allenfalls als jeweils halber Tag, zusammen also als ganzer Tag zählen können. Nach gutem Frühstück und abtapen meiner Füße, laufen wir los. Mit Steigfellen bewältige ich den Weg bis auf die Passhöhe Richtung Saarijärvi. Unterwegs treffe ich einen Finnen mit CC-Ski und Pulka, der mir erzählt, dass er vor ein paar Jahren dieser Tour auch mit Alpinskiern gemacht hat - er sagt, dass war ihm eine Lehre fürs Leben, besonders seinen Füßen - was soll ich sagen ;)... MIR AUCH!!! Aber: es hat sich gelohnt, weil ich zweimal Ski-Abstecher machen konnte.

Blick Richtung Saarijärvi, etwa 4 km nach der Kuonjarjoki-Hütte... vom Pass...

Oben vom Pass sause ich ohne Felle 3 km bergab und hänge ich wieder an den Finnen vorher, mit Steigfellen unterm Ski. Seine Ski gleiten besser, daher muss ich ein flottes Tempo anschlagen. Zum Schluss aber gebe ich Gas und nehme ihm auf dem letzten Kilometer sogar noch 5 Minuten ab... Ich will einfach nur meine Schuhe für die Mittagspause ausziehen... In der Hütte koche ich Tee für die anderen und ruhe mich aus. Nach einer halben Stunde kommen die anderen an und wir machen bis 11:30 Uhr Mittagspause. Danach laufen wir zurück zum Parkplatz, noch 11 km sind zu bewältigen. Mich nerven meine Schuhe und ich ziehe ab, bei diesem Wetter und auf dem letzten Stück sollte keiner verloren gehen können.


Noch ist es weit bis zum Parkplatz, er liegt fast am Fuße des Saana... dem Berg in der Mitte des Bildhorizonts...

Der Saana aus der Nähe...

Um 13:14 komme ich am Auto an, hole meine Umziehsachen und verziehe mich ins Infozentrum. Nach Klogang, Katzenwäsche und Desinfektion meiner Blasen, esse ich und trinke Tee. Um 14:50 kommen die anderen an und wenig später starten wir das Auto. Das Thermometer sagt, dass die Nachttemperatur -22 Grad war... Jetzt hat es 2 Grad... Entsetzt stelle ich nach 30 km fest, dass der Tankanzeiger eingefroren war - unser Spritstand sinkt plötzlich auf fast nichts... Im Schleichtempo und bei Bergabstrecken mit getretener Kupplung schleichen wir die 80 km bis zur nächsten Tanke und rollen mit dem letzten Sprit vor die Zapfsäule - puh. Das war knapp...

Ereignislos bis auf ein paar Rentiere neben der Fahrbahn fahren wir bis Pello, hier gönnen wir uns Sandwiches und Lachs-Kisch in einem Rasthof - wir bekommen sogar kostenlosen Kaffee. Ich mag gar nicht wissen, was das Personal sich denkt... wir stinken und sehen nicht gerade vorteilhaft aus...

Um 22:00 erreichen wir Oulu, die Fahrt lief gut und es war eine SUPERTOUR!!!